Twitch: Wie man spielend Geld verdient!

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit galt oftmals noch das Verständnis, dass Computerspiele reine Zeitverschwendung seien und nur die Entwickler und Promoter daran verdienen. Spätestens seit dem Durchbruch der Live-Streaming-Plattform Twitch können auch nicht professionelle Spieler ihren Lebensunterhalt mit Gaming verdienen. Wie man am schnellsten zum Erfolg kommt, findet ihr hier.

Twitch ist die weltweit größte Streaming-Plattform für Games

Twitch wurde 2011 gelauncht und hat seitdem einen rasanten Aufstieg hinter sich. Als die beiden Gründer Justin Kan und Emmett Shear 2007 ihre erste Streamingplattform Justin.tv etablierten, zeigte sich schnell, dass die Gaming-Kategorie der Plattform zügig wuchs und zur einer der lebendigsten Community-Stränge wurde. Es folgte die Ausgliederung von Twitch, welches sich schnell etablierte und zwischenzeitlich 40 % des Live-Streaming Traffic Volumens in den USA übernahm. Aktuell befindet sich die Seite auf Platz 61 der beliebtesten Websites in den USA und auf Platz 83 weltweit. In den Peak-hours liegt Twitch mit seinem Traffic-Aufkommen auf Platz 4, hinter Netflix, Google sowie Apple.

Laut eigenem Bericht schauten 2013 dabei die User 6 Milliarden Minuten pro Monat! 2014 waren es schon über 12 Milliarden und durch die Expansionen auf den europäischen, südamerikanischen und asiatischen Markt sind es 2015 bereits über 16 Milliarden Minuten. Außerdem werden immer mehr Kanäle, wie beispielsweise Android, XBox One, PS4 oder Amazon FireTV integriert, die zur Weiterverbreitung der Spiele-Community beitragen. Übrigens kaufte Amazon letzten August das Unternehmen für eine knappe Milliarde (970 Millionen, um genau zu sein), sodass alles darauf hindeutet, dass Twitch eine großartige Zukunft bevor steht.

Ein Screenshot der Website, auf dem man den Twitch Report von 2014 findet
Offizieller Twitch Report 2014

 

Auf Twitch werden Lebensmittelverkäufer zu Internet-Stars

Das enorme Wachstum hat ebenfalls Folgen für den einzelnen Streamer. Es ist keine Neuheit mehr, dass sich mit genügend Followern und Subscriptions eine Menge Geld verdienen lässt. Dabei sei erwähnt, dass in den meisten Fällen Streamer mit oftmals mehr als 60 Stunden eine weitaus längere Arbeitswoche haben, als der durchschnittliche Arbeitnehmer.

Einer der prominenteren Streamer ist Kenji, besser bekannt als NumotTheNummy, welcher sich auf Magic the Gathering, ein strategisches Kartenspiel, spezialisiert hat. Kenji machte seinen Abschluss in Anthropologie und Soziologie, doch stellte kurze Zeit darauf fest, dass er darin für sich keine Zukunftsperspektiven fand. Er arbeitete in der Nachtschicht einer Lebensmittelkette, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und begann nebenher auf Twitch Magic the Gathering zu streamen. Sobald er eine kleine loyale Gemeinschaft um seinen Kanal geschart hatte, entwickelte er die verrückte Idee für ein komplettes Jahr jeden Tag zu streamen. Er arbeitete nachts, kam heim, schlief ein paar Stunden und hing anschließend bis zu sechs Stunden vor dem Bildschirm. Nach ca. drei Monaten war die anfängliche Euphorie über die spannende Herausforderung verflogen und Kenji musste sich entscheiden. Sein Alltag zollte einen hohen Tribut an seine körperliche und geistige Gesundheit und er fühlte sich ausgebrannt. Er stand vor der Wahl: sollte er seinen Job kündigen, die ihm die Lebensgrundlage schuf oder sollte er den Sprung ins kalte Wasser wagen und sich komplett dem Game-Streaming verschreiben? Durch die stetig wachsende Anzahl an Followern, die ihn bei seiner Streaming-Marathon unterstützten, fiel ihm die Wahl letztendlich nicht schwer. Heute verdient Kenji dadurch weitaus mehr als in seinem früheren Job.

Ein Bild von NummotTheNummys Kanal auf Twitch
NummotTheNummy auf Twitch

 

Beim “Zocken” kann man tausene Dollar verdienen

Wohl noch bekannter ist der Streamer Destiny, der mit wirklichem Namen Steven Bonnell heißt. Er hat es mittlerweile auf 120.000 Follower mit einer konstanten Zuschauerschaft von ca. 2500 Usern geschafft. Er beschreibt dabei welche Verdienstmöglichkeiten durch Gaming sich für ihn erschließen. Durch Ad-Revenue erhält er ca. 1000 $ pro Monat. Twitch empfiehlt 3–4 Werbeeinspieler pro Stunde Streaming, allerdings ist das Werbeeinkommen immer davon abhängig wie viele der Zuschauer AdBlock geschaltet haben. Steven schätzt, dass ca. 75 % – 80 % der User einen Werbeblocker nutzen, daher ist sein Einkommen bereits sehr hoch anzusiedeln und zählt eher zu den Ausnahmen.

Der zweite, und weitaus größere, Block setzt sich aus User-Subscriptions zusammen. Twitch bietet Streamern ab einem durchschnittlichen Volumen von über 500 gleichzeitigen Zuschauern eine Partnerschaft an, die es dem ihnen erlaubt Subscriptions anzubieten. Eine weitere Anforderung dabei ist, mindestens drei mal pro Woche zu übertragen. Abonnenten zahlen dann 4,99 € in Europa, von denen ca. 2 € an Twitch und ca. 3€ an den Übertragenden gehen. So variiert das Einkommen von Streamer zu Streamer; Steven Bonnell schätzt das Durchschnittseinkommen des oberen Drittels der Hoster auf monatlich zwischen 2.000 $ und 5.000 $ auf dem amerikanischen Markt. Steven nutzt seine Reichweite auf Twitch gleichzeitig, um auf seine eigene Website weiterzuleiten, worauf Fans seiner Videos und Streams ebenfalls kostenpflichtige Abos abschließen können, die sich in einer Größenordung von 5 $ – 40 $ befinden. Was er damit dazu verdient bleibt geheim, allerdings ist davon auszugehen, dass es seine Einnahmen um einiges steigen lässt. Er umgeht den fälligen Anteil für Twitch und bietet seinen größten Fans besondere Vorteile: Beispielsweise spielen sie gemeinsam Counter-Strike:GO, erhalten Fanartikel oder bekommen Gaming-Unterricht. Andere Streamer betätigen sich auch kreativ und lassen beispielsweise ihre Community darüber abstimmen, wie sie sich für den nächsten Stream verkleiden sollen oder welche Musik gespielt wird.

Ein BIld von Keni, der auf Twitch Counter Striker: Global Offensive streamt
Destiny steamt CS:GO auf Twitch

 

Eine weitere Möglichkeit, die jeder Streamer für sich nutzt, erfolgt über Spenden von Followern. Steven macht allein dadurch durchschnittlich 1.500 $ im Monat. Bei größeren Gaming-Events, an denen Steve teilnimmt, sind es dann schon mal gerne 6000 $ Spenden. Auf seiner Twitch-Profilseite kann jeder über einen Spenden-Button bequem über PayPal oder andere Bezahlmöglichkeiten, die gewünschte Menge dem Streamer zukommen lassen. Im Gegenzug danken die Streamer per Live-Übertragung einzelnen Spendern oder lassen ihnen digitale Geschenke zukommen.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit über Sponsoring und Affiliate Partnerships weitere Einnahmen zu generieren. Besonders wichtig ist hier vor allem Reichweite und eine regelmäßige Zuschauerschaft, sodass große Marken auf die Streamer aufmerksam werden. Es hilft dabei natürlich auch bereits Profi-Gamer zu sein. Bisher ist unbekannt, wie hoch Sponsorships wirklich gehen. In unserem Beispiel verdient Steven Bonnell nach eigenen Angaben um die 1.000 $ monatlich dadurch.

Wer es richtig macht, dem winken Jahreseinkünfte im sechsstelligen Bereich

Basierend auf Stevens Aufzählungen und den Schätzungen anderer Top-Streamer wie Kenji bewegt sich das jährliche Einkommen zwischen 100.000 $ und 300.000 $ bei den wirklich Großen der Branche. Auf den europäischen Plattformen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens kann man eine ähnliche Einkommensspanne erwarten, da sie das gleiche Preismodell beinhalten. Gaming ist damit nicht nur ein netter Nebenverdienst, es ist eine Vollzeitkarriere mit riesigem Einkommenspotential.

Mit dieser Anleitung schafft ihr eine ideale Basis für einen erfolgreichen Twitch-Account:

1. Finde das richtige Game

Checke Games Seiten, prüfe die Metacritics und User-Reviews. Die Steam-Community gibt zum Beispiel einen exzellenten Überblick darüber. Um herauszufinden, welche Spiele gerne gesehen werden, gehe auf die Spieleliste auf Twitch und überspringe die beliebtesten Games, wie CS:GO, StarCraft 2, League of Legends, Dota 2 oder Hearthstone. Suche dir ein bis zwei Spiele unterhalb der Top 20 Games und konzentriere dich darauf. So hast du höhere Chancen auf der Frontseite zu erscheinen und lockst mehr Interessenten an.

2. Spare nicht an der Hardware

Ganz wichtig: das Mikrofon! Genauso wichtig: Die Webcam. Sie sollte mindestens eine Auflösung von 720p streamen können. Gutes Equipment gibt es schon für ungefähr jeweils 20 € im Internet und garantiert eine stressfreie Übertragung. Bei Twitch gibt es außerdem folgende Mindestanforderungen zur Hardware: CPU Intel: i5–4670 (ca. 240 €), 8GB DDR3 SDRAM (ca. 45 €) und mindestens Windows 7 Home Premium. Ausstattungen von den Profis sind natürlich ein paar Preiskategorien höher angesiedelt, wie hier beispielsweise von Destiny.

3. Die richtige Ausstattung ist ausschlaggebend

Hol dir die richtige Software Nutze für die Übertragung XSplit, FFSplit or OBS (Open Broadcaster Software). Gehe dabei sicher, dass dein Stream gut aussieht und sich von anderen abhebt. Setze einen Rahmen um deinen Stream, und aktiviere Pop-Up Nachrichten, wenn du Spenden erhälst. Außerdem: Installiere einen Chat-Bot, z.B. Moobot oder Nightbot. Sie verhindern, dass User gefährliche Links oder Spam in deinen Chat posten. Das schützt auch deine Follower.

4. Kümmere dich um eine schnelle Internetverbindung

Für einen konstanten Stream ist die Mindest-HD-Auflösung von 720p erforderlich. Mit 3 Mbit/S seid ihr schon gut dabei, 5 Mbit/S bringen euch richtig gute Qualität.

5. Übertrage regelmäßig

Um mit Twitch zu partnern, musst du mindestens dreimal die Woche live senden und eine Mindestanzahl von ca. 500 regelmäßigen Zuschauern anziehen. Halte deine zeitlichen Vorgaben konstant ein und du wirst sehen, dass eine höhere Anzahl an Menschen dir regelmäßig zuschaut.

6. Sprich mit deinen Followern

Vermeide es unter allen Umständen einfach nur vor dem PC oder der Konsole zu sitzen und zu spielen. Kommentiere was und warum du spielst, erkläre deine Strategie, zeig deine Tipps und Tricks. Zeige deine Ausrüstung, dein Zimmer oder lade Freunde und Familienmitglieder in deinen Stream ein und stelle sie deiner Community vor.

7. Pflege deine Kontakte

Habe direkten Kontakt mit denen, die dir folgen. Die Nutzerin KittyPlaysGames erreichte u. a. eine riesige Zuschauerschaft, indem sie sich Namen merkte und individuell User begrüßte, die ihren Kanal betraten. Bei ihr gibt es außerdem bestimmte Perks, wenn man über besonders lange Zeit ein Abonnent bleibt, wie ihr auf dem Bild sehen könnt (Sub Perks).

8. Subscription Perks — Vorteile für Abonnenten

Baue ein Netzwerk Nutze alle Social Media Kanäle die du hast. Poste auf Facebook, twittere deinen Stream-Termine und stelle die besten Szene deiner Streams auf einen separaten Youtube-Kanal. Du kannst deine Follower per E-Mail jederzeit erreichen. Nutze diese Chance!

9. Zeige deine Persönlichkeit und sei kreativ

Durch deinen Stream trittst du täglich persönlich mit neuen Menschen in Kontakt. Deine Follower sind glücklich, wenn du stets mit ihnen sprichst und ihnen deine Persönlichkeit zeigst. Sei dabei kreativ; der Streamer MaximusBlack wurde beispielsweise auch dadurch bekannt, dass er sich verkleidete und eigene Raps aufnahm.

10. Lass dich sponsoren und bevorzuge deine Subscriber

Such dir Sponsoren und verteile Rabatte für Technik und Equipement an deine Follower. MaximusBlack nennt regelmäßig einen Promo-Code für Rabatte auf Gaming Stühle der Marke DXRacer. Sogenannte Shout-outs sorgen für kleinere Einnahmen deinerseits über den Sponsor und du kannst größere Rabatte aushandeln, die du nur an deine Subscriber verteilst.

Langer Atem zahlt sich aus

Wenn ihr allen Punkten folgt, seid ihr sehr gut gerüstet für die Welt des Game-Streamings. Doch das aller wichtigste ist sich nicht unterkriegen zu lassen. Ja, es gibt bereits viele Streamer und ja, die meisten großen Games werden schon von absoluten Profis gespielt. Aber das heißt nicht, dass ihr es nicht auch schaffen könnt. Ihr müsst dabei bleiben, auch wenn es mal nicht so gut funktioniert oder der Start etwas holprig ist. Doch es ist das was ihr liebt, das was euch leidenschaftlich antreibt, das was ihr schon immer tun wolltet. Also springt ins kalte Wasser. So wie Kenji. Und wenn ihr wollt, dann nutzt elopage, um zum Beispiel Video-Specials, die ihr für besondere Follower gedreht habt, schnell und einfach zu monetarisieren!

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