Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende

Jeden Tag begegnen wir in unserem Alltag neuen Herausforderung, schwierigen Aufgaben und Problemen – sei es im beruflichen Umfeld, im zwischenmenschlichen Bereich, im künstlerischen Kontext oder im Sport. Zur Bewältigung dieser „Alltagshürden“ brauchen wir vor allem eines immer wieder: Mut!

Welches Angebot gebe ich ab, um einen Kundenauftrag zu erhalten? Wie spreche ich die Frau/den Mann an, die/der neben mir im Café sitzt? Wo und wie setze ich den Pinselstrich, um ein ganz bestimmtes Detail in meinem Bild hervorzuheben? Traue ich mir die Abfahrt einer schwierigen Skipiste zu oder den Sprung über ein Hindernis beim Springreiten? Ohne den Mut, den nächsten Schritt zu machen – die Herausforderung anzunehmen, die schwierige Aufgabe zu bewältigen oder das Problem zu lösen – bleiben wir stehen. Der griechische Philosoph Demokrit (*460/459 v. Chr. bis vermutlich 371 v. Chr.) hat einmal gesagt: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“ Aber hinter diesem ersten Schritt, dem Mut zum Handeln, steckt noch viel mehr. Ohne die Bereitschaft, ein Wagnis einzugehen, würden wir uns überhaupt nicht weiterentwickeln, denn wir berauben uns der Fähigkeit zu lernen.

Mutig den ersten Schritt machen

„Lernen findet ausschließlich durch Erfahrung statt. Erfahrung bedeutet in diesem Zusammenhang, Informationen aufzunehmen (und diese zu bewerten und zu transformieren) sowie Reaktion zu zeigen, welche die Umwelt beeinflussen können.“

(Gerrig/Zimbardo 2015, 200)

Wenn mir also schon die Bereitschaft fehlt, mutig den ersten Schritt zu machen, dann komme ich erst gar nicht in die Situation, eine bestimmte (Lern-)erfahrung machen zu können. Der kleine Junge, der von seinem Vater angeschoben das erste Mal ohne Stützräder Fahrrad fahren möchte, wird nicht lernen das Gleichgewicht zu halten, wenn er nicht den Mut aufbringt, trotz der drohenden Gefahr eines Sturzes oder einer Verletzung, nach dem Loslassen der sichernden Hand des Vaters weiterzufahren.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Je mehr wir uns aus unserer vermeintlich sicheren Komfortzone herauswagen und Erfahrungen meistern, desto höher ist die Chance, auch weitere, schwierigere Herausforderungen zu bewältigen. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ In diesem deutschen Sprichwort steckt sehr viel Wahrheit drin, denn jede neue Entscheidung im Leben braucht Mut: Die Abgabe des Kundenangebots, das Ansprechen im Café, der Pinselstrich oder der Start in die schwierige Skipiste. Der Wagnisforscher, Psychologe, Sportwissenschaftler und Pädagoge Siegbert Warwitz sieht in jedem neuen, mutigen Schritt, den wir machen, aber gerade auch ein Stück neuer eigener Lebensqualität, die wir uns selber entwickeln. Jede neue, mutige Entscheidung erweitert die persönliche Erfahrung, fördert die individuelle Weiterentwicklung und erschließt einen neuen Teil in der Fülle des Lebens – in ihr vollzieht sich ein Akt der persönlichen Wertschöpfung. Je weiter wir die Welt mutig erkunden, je mehr Erfahrungen – ob positiv oder negativ – wir machen, je mehr Informationen wir von unserer Umwelt sammeln, um so ruhiger und besonnener werden wir aufgrund unseres erweiterten Erfahrungsschatzes und Wissens in Zukunft handeln und Entscheidungen treffen.

Aus Niederlagen lernen

Natürlich wird es auch Rückschläge, Enttäuschungen und Niederlagen geben, wenn eine mutige Entscheidung nicht so verläuft, wie wir uns das vorstellen. Aber auch aus diesen negativen Erfahrungen ziehen wir Schlüsse, treffen neue Entscheidungen und wachsen mit ihnen: Wie mache ich es beim nächsten Mal anders/besser, um eine negative Erfahrung in eine positive umzuwandeln? Mehr noch. Ohne diese kognitive Fähigkeit wäre der Mensch evolutionsgeschichtlich gar nicht in der Lage gewesen, sich zu entwickeln. Wenn das krabbelnde Kleinkind, trotz des Risikos zu fallen, es nicht immer wieder wagen würde, aufzustehen, wäre der bedeutsame Schritt „vom auf dem Boden fixierten Vierbeiner zum weit blickenden Zweibeiner, dem die Augen und Hände für hochwertige Tätigkeiten frei werden“ (Siegbert Warwitz 2001) gar nicht möglich: Du bist als Baby im Schnitt 274 Mal hingefallen und musstest 275 Mal wieder aufstehen, bevor du laufen konntest!

Mehrwert für das Selbstwertgefühl

Jeder mutige Schritt dagegen, den wir erfolgreich gegangen sind, stärkt unser eigenes Selbstwertgefühl. Was ist das für ein tolles Gefühl, wenn ich sagen kann: „Ich habe es tatsächlich geschafft!“ Ich habe wieder einen neuen großen Kundenauftrag an Land gezogen. Ich stehe im Tal, schaue die Skipiste hoch und und feiere meinen Mut: „Wow, da bin ich tatsächlich heruntergefahren!“ Aus meinen rationalen Selbstzweifeln, die mich vorher ausgebremst haben („Schaffe ich das überhaupt?“), entwickelt sich durch das Erfolgserlebnis schlagartig ein positiver innerer Dialog – meine gesamte Einstellung zum Leben, meine persönliche Perspektive, wird auf einmal positiv eingefärbt. Und über die weitere Anerkennung von außen für diese einmalige, außerordentliche Leistung wird das Selbstwertgefühl noch weiter gestärkt.

Was für ein Glück – „Ich habe das geschafft!“

Das Positive rückt viel bewusster in den Fokus, sodass ich auf einmal vielmehr die angenehmen und erfreulichen Dinge im Leben wahrnehme. Mit dieser positiven Grundeinstellung und aus einer Situation des persönlichen Wohlbefindens heraus bin ich viel empfänglicher für die Auslöser von Glück und damit auch das Erleben von Glücksmomenten. Aus dem positiven Erlebnis „Ich habe das geschafft!“ entsteht ein Glücksmoment, das ich natürlich wiederholen möchte. Neue Glücksmomente werde ich allerdings nur erleben, wenn ich mich weiteren Herausforderungen wieder mutig stelle bzw. den ersten Schritt überhaupt wage!

Denn wer vorher schon stehen bleibt, sich den Herausforderungen des Lebens nicht mit Mut stellt und es nicht wagt, Grenzen zu überschreiten, beraubt sich seiner eigenen persönlichen Entwicklung, weil er viele Erfahrungen überhaupt nicht machen wird. Neugierig auf das Unbekannte bleiben und die Bereitschaft, auch mal Grenzen zu überschreiten – dann steht Mut am Anfang des Handelns, Glück am Ende ….

 

Antje Heimsoeth

 

Antje Heimsoeth

Antje Heimsoeth, Diplom-Ingenieurin (FH), Coach, ECA und DVNLP, zert. Mental Coach, Gesundheitstrainerin, ECA Sport Coach (Master Competence), zert. Entspannungspädagogin, zert. Business Coach und Top-Speakerin mit mentalem Olympiafaktor: Go for Gold! mit eigenem Institut Heimsoeth Academy, ausgezeichnet als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“.
Weltweit tätig. Auftritte bei Sport1, hamburg1, nrw.tv, BR (Blickpunkt Sport) und Sky sowie auf Kreuzfahrtschiffen (MS Europa 2, AIDA). Bestsellerautorin, zuletzt erschienen: „Chefsache Kopf. Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Führungskompetenz“. Springer Gabler, 2015.

Schreibe einen Kommentar